„Wenn es am schönsten ist, soll man aufhören.“ So könnte man die höchst unterschiedlich verlaufene Bayernliga-Saison 2017/18 des EV Pegnitz überschreiben. Mit dem souverän herausgespielten Klassenerhalt, der Vertragsverlängerung mit dem Erfolgscoach Josef Hefner und dem Bemühen, das Team weitgehend zusammenzuhalten, soll der Elan in die kommende Spielzeit hinüberschwappen.

Dass die Verzahnungsrunde mit den Landesligisten kein Selbstläufer für die klassenhöheren Vereine sein muss, zeigte die andere Gruppe, in der mit Moosburg, Pfaffenhofen und Buchloe alle drei Bayernligisten den Kürzeren zogen. Pegnitz profitiert davon, haben doch in der Folge mit Bad Kissingen und Schweinfurt zwei nordbayerische Vereine den Sprung nach oben geschafft. Nicht nur EVP-Schatzmeister Andreas Färber freut sich: „Das bringt kürzere Fahrten, zwei zusätzliche Derbys und mehr Zuschauer.“

Josef Hefner ist überzeugt, dass sich sein Team auch in dieser schwereren Gruppe durchgesetzt hätte. Vor seinem Amtsantritt im Dezember allerdings wurden die Ice Dogs als Absteiger gehandelt. Bei seinem Stammverein in Weiden haben sie deshalb nicht verstanden, warum Hefner nach 30 Jahren als Spieler und Trainer „eine warme Halle gegen ein zugiges Freiluftstadion“ eintauschen wollte. Er selbst lässt heute keine Gelegenheit aus, sich für den Anruf aus Pegnitz zu bedanken, in dem ihm der sportliche Leiter Jens Braun die Übernahme des Traineramts angetragen hat. „Es war toll, wie die Mannschaft mitgezogen hat und Freiluft-Eishockey begeistert mich inzwischen regelrecht: Das ist Kult“.

Hefner vergisst aber auch nicht, sich bei der Vereinsführung und beim Betreuerstab für die tolle Zusammenarbeit zu bedanken: „Sie alle haben wesentlichen Anteil an der Aufwärtsentwicklung. Ich fühle mich hier wie in einer großen Familie und das gefällt mir.“

Sevo und Sikorski enttäuschten

Vergessen ist inzwischen, dass der EVP gleich zu Beginn der Saison mit Stan Mikulenka zum zweiten Mal in Folge einen Trainer entlassen hat, der als langjähriger Wunschpartner gekommen war, bei dem man aber im Spielbetrieb erkannt habe, „dass er das Team nicht erreicht“. Die anschließende Notlösung mit den als Königstransfers gehandelten Cracks Daniel Sevo und Daniel Sikorski, die später als größte Enttäuschungen sang- und klanglos in der Versenkung verschwanden, hat den zu diesem Zeitpunkt vogelwild auftretenden Ice Dogs die „rote Laterne“ eingebracht.

Der neue Vorsitzende Sven Albers denkt ungern an diese Zeit zurück, als das nach der Papierform mitunter als Geheimfavorit gehandelte Team am Abgrund stand: „Ich wäre zwar ohne Wenn und Aber auch bei einem Abstieg an Bord geblieben, aber die Schwierigkeit, einen neuen Trainer zu finden, habe ich eindeutig unterschätzt.“ Kein Wunder, dass er Hefner als absoluten Glücksfall bezeichnet. Im Zusammenwirken mit Jens Braun habe dieser auch bei der Neuverpflichtung von Spielern wie Vaclav Benak oder Daniel Vlach ein glückliches Händchen bewiesen.

Lange Anfahrt der beiden Tschechen

Die beiden Tschechen haben die Qualität in Abwehr und Angriff noch einmal deutlich gesteigert. Dabei hätten sie eigentlich von der Anreise nach Pegnitz schon müde sein müssen. So hat etwa Vlach vor jedem Spiel und jedem Training über 200 Kilometer zurückgelegt, um zunächst Benak im Raum Pilsen abzuholen und dann zusammen mit Hefner von Weiden aus gemeinsam weiterzufahren. Trotzdem haben sie gegenüber dem Coach ihre Bereitschaft bekundet, auch in der nächsten Saison in Pegnitz spielen zu wollen, wenn es denn die noch nicht verabschiedete Ausländerregel zulässt. Aktuell geht man davon aus, dass mit dem Aufstieg der Söldnertruppe aus Bad Kissingen keine Selbstbeschränkung der Liga auf zwei Kontingentstellen mehr zustande kommen wird.

Der Top-Torjäger der Verzahnungsrunde Aleksandrs Kercs, der in 35 Spielen 35 Mal erfolgreich war, hat schon verlängert, beim Slowenen Benjamin Rakonic hoffen die Verantwortlichen, dass er bald einen deutschen Pass bekommt. Ferner gehen Pierre Kracht, Stefan Hagen und der Shooting-Star der Saison, Sven Adler, weiter auf Torejagd. In der Verteidigung ist sich Braun schon mit Florian Zeilmann, Daniel Krieger, Christof Mendel, Robin Niedermeier und Mirco Lang einig.

Eine Veränderung gibt es dagegen auf der Torhüterposition, wo künftig das Eigengewächs Kilian Schauer hinter Julian Bädermann und Maximilian Schmidt das Trio als Backup komplettiert. Der gebürtige Pegnitzer kommt von der U16 des EV Weiden zurück und soll zunächst in der U17 des EVP weitere Spielpraxis sammeln. Maximilian Müller, der nach Auskunft der Verantwortlichen privat andere Schwerpunkte setzt, steht dagegen nach vier Spielzeiten nicht mehr zur Verfügung. Auch Sergej Hausauer, dem alle für seinen untadeligen sportlichen Einsatz danken, hat sich nach internen Meinungsverschiedenheiten, über die niemand sprechen will, vom Kader verabschiedet.

Ernst macht EVP-Chef Albers mit seinem Versprechen, mittelfristig verstärkt Eigengewächse an die erste Mannschaft heranzuführen, die derzeit noch in Weiden oder Bayreuth ihre Schlittschuhe schnüren. Trainer Hefner habe sie schon unter die Lupe genommen und ihnen großes Talent bescheinigt.

Schatzmeister meldet positiven Kassenstand

Bleibt die Frage, ob der erhöhte Aufwand mit zuletzt vier Kontingentspielern auch finanzierbar ist. „Alles im Rahmen“, gibt Schatzmeister Andreas Färber Entwarnung. Nach aktuellem Stand geht er von einem positiven Kassensaldo aus, was vor allem auch auf deutlich gestiegene Sponsorengelder zurückzuführen sei. Ein wenig hat dazu aber auch die Trikotversteigerung nach dem Saisonfinale beigetragen, wurden doch für die Arbeitsklamotten der Publikumslieblinge Kercs und Krieger jeweils 270 Euro auf den Tisch gelegt.

Bericht und Foto: Isi Reinl

Landesliga 2019/2020